One to make her happy, one to make her sad…

Wie im Songtext von Marque ist es mir, je länger ich lebe und je mehr ich ERlebe und mir Gedanken über unsere Gesellschaft und die uns auferlegten Regeln und Tabus mache, schleierhaft wieso wir davon ausgehen, dass uns ein einziger anderer Mensch alles geben können sollte. Wir haben doch auch mehr als nur eine_n Freund_in, wir wissen genau, wenn wir uns schlecht fühlen und jemanden brauchen um über unsere Probleme zu sprechen an welchen unserer Mitmenschen wir uns wenden und bei wem wir nicht das Mitgefühl und die Zuwendung erhalten die wir uns wünschen. Andererseits eignen sich diese Kolleg_innen vielleicht bestens um einen drauf zu machen und alle Probleme zu vergessen. Einige Mitmenschen sieht man gerne für einige Stunden und mit anderen kann man sich auch eine Weltreise vorstellen ohne aneinander zu geraten.

Natürlich gibt es Pärchen bei denen passt alles, die Zahnräder rasten ein und drehen sich ab dem Zeitpunkt wie ein Uhrwerk vor zu ineinander und dies ändert sich auch nach Jahren nicht. Nur ist dies meiner Meinung nach eher eine Seltenheit. Jeder Mensch verändert sich, und sei es nur alle sieben Jahren in seiner gesamten Biologie. Diese Veränderungen führen meines Erachtens entweder zu einer Bereicherung der Beziehung weil sich beide Partner dafür öffnen können oder der_die Eine sich dem neuen Aspekt/Interesse widmen kann ohne dass sich dies auf die Beziehung auswirkt. Oder aber sie führen zum auseinanderleben, weg von der trauten Zweisamkeit weil nun nicht mehr alles zusammen gemacht werden kann oder will. Es geschieht nicht selten, dass beide Parteien sich ihrer Gefühle noch sicher sind, sich aber durch die äusseren Umstände erschüttern lassen. Ich bin nicht der Meinung, dass man auf Biegen und Brechen zusammen sein sollte und ich bin auch nicht der Meinung, dass eine Person zurückstehen und sich zum Wohl des anderen verbiegen sollte.

Aber ich bin der Ansicht, dass wir uns viel zu selten Fragen ob es nicht auch noch einen anderen Weg gibt. Einen welchen wir bisher nicht in Betracht gezogen haben weil er uns unbekannt ist, er von der Gesellschaft belächelt oder gar verurteilt wird. Wollen wir uns wirklich das Zusammensein mit einer oder mehreren unserer Herzensmenschen von der Gesellschaft vorschreiben lassen? Von Bräuchen diktieren lassen die Teilweise in früheren Jahren bis Jahrtausenden ihre Berechtigung hatten, respektive damals unter anderem auch als Schutz gegolten haben für die Gegebenheiten in diesen Zeiten (dazu ein anderes Mal mehr).

Warum sollen zwei Menschen die sich lieben alles miteinander teilen müssen? Und wer hat uns vorzuschreiben den (angeblich) intimsten Bereich der Beziehung – die Sexualität nur miteinander ausleben zu dürfen? Vielleicht bereichert dies die Beziehung in nicht geahnten Weisen. Natürlich gibt es auch Schwierigkeiten, aber gibt es die nicht immer und überall? Ja, beim Sex mit jemand anderem kann ich mich fremd verlieben, aber auch wenn ich nur Sex mit meinem Partner habe kann ich mich ausserhalb der binären Beziehung verlieben. Und wenn ich zum Beispiel gerne mehr Sex in der Beziehung hätte oder auch noch andere Arten ausprobieren möchte und mir dies nicht zur Verfügung steht? Dann kann ich in einem Teilbereich der Beziehung unglücklich sein oder etwas vermissen und ist dann die Gefahr mich Fremd zu „verlieben“ nicht sogar grösser? Dies ist natürlich nur ein alternativer Weg welchen ich gut beschreiben und nachvollziehen kann, da ich ihn selber seit einiger Zeit gehe. Aber wenn mir mein Freund erzählt, dass sein Mann auch nach der „Heirat“ noch in seiner eigenen Wohnung wohnt und mein Bekannte_r verschiedene Beziehungen mit verschiedenen Menschen führt höre ich interessiert zu und füge diese weiteren Möglichkeiten gerne meinem Horizont hinzu.

Öffnet nicht nur eure Herzen sondern auch euren Geist

D.

4 comments on “One to make her happy, one to make her sad…Add yours →

  1. Hallo, nun ja, ich kann nur sagen wie recht du hast. Man kann nicht in allem gleich sein, doch was bedeutet das dann für eine Beziehung? Wie du schon sagtest, was ist wenn es da deutliche Unterschiede gibt?

    1. Die Frage ist wie man eine Beziehung definiert, bzw. was einem wichtig ist. Für mich trifft der Ausspruch “Gegensätze ziehen sich an” definitiv zu und ich könnte mir nicht vorstellen mit jemandem “zusammen zu sein” der mir zu ähnlich ist oder mich zu fest einengt. Aber so muss dies jeder für sich definieren und hoffen jemanden zu finden bei dem die Zacken übereinstimmen.

  2. Diese Fragen stelle ich mir auch schon sehr lange. Antworten habe ich darauf aber noch keine richtigen gefunden. Mittlerweile ist mir klar, dass ich nicht nur “nicht-monogam” (wie fast alle Männer, die ich kenne), sondern auch polyamourös veranlagt bin. ich habe schon die Erfahrung gemacht, dass die Liebe zu einer “neuen” Frau, die Liebe zu meiner Ehegattin nicht geschmälert hat. Aber “Leben” kann ich das nicht, meine streng-monogam veranlagte Frau, die Sex und Liebe auch noch nie voneinander trennen konnte, würde eine solche “Lebensform” nicht aushalten.

    1. Ja leider ist es heutzutage immer noch in den meisten Köpfen verankert, dass man nur eine Person zur selben Zeit lieben kann und die sexuelle Treue über alles zu stellen ist. Dies resultiert meines Erachtens aus früheren Zeiten, als dies vor allem zum Schutz der Frauen gelebt wurde. Schutz in Bezug darauf, dass sie so nicht geschwängert und dann einfach mit dem Kind und ohne grosse Möglichkeiten sitzengelassen wurde. Da sich aber an dieser Situation so einiges geändert hat sollte man dieses Konstrukt kritisch hinterfragen. Es ist natürlich sehr schade, wenn dies in einer Partnerschaft nicht gleich angesehen wird, aber man muss auch die Menschen respektieren welche klar und von sich aus sagen, dass es für sie nur so passt. Ich bin mir bewusst, dass ich mich sehr glücklich schätzen kann, in Bezug auf meine offene Partnerschaft. Allerdings kam dies auch nicht von heute auf morgen.

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