Sexuelle Orientierung versus Beziehungsformen

Nachdem ich dieses Thema in letzter Zeit immer häufiger in den Social Medias gesehen habe und auch in persönlichen Diskussionen feststellen musste, dass viele Menschen Bisexualität falsch wahrnehmen, möchte ich dazu einen kurzen Beitrag verfassen. Ich selber definiere mich mittlerweile zwar nicht mehr als bisexuell, dies aber vor allem, weil ich die Gesellschaft nicht mehr als binär wahrnehme. Dazu aber später oder in einem anderen Beitrag mehr.

Ein für mich völlig unverständlicher, aber scheinbar weit verbreiteter Gedankengang ist, dass bisexuelle Menschen nicht mit einer einzigen Person zusammen sein können, weil sie dann ja das andere Geschlecht vermissen würden. Zwei Dinge sind für mich an dieser Aussage falsch. Erstens bezeichnet Bisexualität in wen ich mich verliebe, mit wem ich Sex haben möchte. Da hier von einer Zwei-Geschlechter Gesellschaft, Mann und Frau, ausgegangen wird, gebe ich mit bi an, auf zwei Geschlechter, also sowohl Mann als auch Frau zu stehen. Viele Bi-Menschen sagen auch gerne, dass sie sich in den Menschen und nicht das Geschlecht verlieben. Zweitens gibt es dann noch verschiedene Arten eine Beziehung zu leben. Diese kann monogam sein, offen und polyamourös. Wenn ich also bi bin, mich zurzeit gerade in eine Frau verliebt habe und mit ihr eine monogame Beziehung führe, dann habe ich daneben nicht auch noch einen Mann. Und es fehlt mir dann in der Beziehung auch nicht an irgendwelchen männlichen Attributen. Die Bisexualität bedeutet lediglich, dass mein nächster Partner wieder eine Frau, aber auch ein Mann sein könnte. Wenn ich in einer offenen Beziehung lebe dann habe ich einen festen Partner oder eine feste Partnerin, daneben aber noch Sex mit anderen Menschen. Dies hat dann aber auch nichts mit meiner Sexualität zu tun. Ich kann als heterosexuelle Frau eine offene Beziehung und daher mit anderen Männern Sex haben. Genauso gut kann ich mich selber als lesbisch sehen und mich in mehrere Frauen gleichzeitig verlieben und somit polyamouröse Beziehungen führen.  Und natürlich gibt es Menschen die ihre Sexualität oder ihre gelebten Beziehungen nochmals anders definieren, aber die genannten drei sind sicherlich die weitverbreitetsten.

Ausschlag zu einer relativ intensiven privaten Diskussion in Bezug auf bisexuelle Menschen gab die Aussage einer entfernten Bekannten von mir, welche auf einen von mir geteilten Artikel zur Bisexualität auf Facebook mit dem Kommentar antwortete, man solle auch Menschen respektieren, die keinen bisexuellen Partner haben möchten. Weil diese die Angst haben könnten, dass sie dem Partner nicht genügen würden, weil er nicht beide «Bedürfnisse» erfüllen könnte.

Hierbei muss aber beachtet werden, dass auch in ganz anderen Belangen die Bedürfnisse eines Partners divers sein können und man immer eine gewisse Angst mit sich tragen kann, ob man diese Bedürfnisse des geliebten Menschen erfüllen kann oder nicht. Für Menschen die sich nur von einem Geschlecht angezogen fühlen, macht eben dieses Geschlecht sehr viel aus, hat viel Gewicht, weil sie das andere Geschlecht nicht anzieht. Nun muss aber bei diesem Gedankengang berücksichtigt werden, dass bisexuelle Menschen keinen Unterschied machen bei den Geschlechtern. Es ihnen also auch nicht an etwas fehlen kann was explizit mit dem Geschlecht zu tun hat. Meiner Auffassung nach gibt es keine Beziehung, keinen Menschen der uns zu 100% alles bietet was wir uns wünschen, was wir von unserem Umfeld erwarten. Jede Beziehung bedeutet Kompromisse. Wir stellen uns einen Partner mit utopischen Eigenschaften und Äusserem vor. Wenn wir uns verlieben gehen wir aber nicht hin und gleichen diese Anforderungen ab und weisen die Person dann zurück, weil sie zum Beispiel nicht grösser ist als man selber. In diesem Moment, wenn die Gefühle mit dazu kommen ist dies nicht mehr relevant.

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